Hahnheim

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für Kinder von 0-3 Jahren

SC Hahnheim


Termine
EV. Kirchenchor
24.09.2017

Partnerschaftsverein
28.09.2017 (20 Uhr) bis 02.10.2017

TC HaSe
08.10.2017 (ab 15 Uhr)

Landfrauen-Verein
26.10.2017 (19:30 Uhr)

SPD Hahnheim
29.10.2017 (11 Uhr)

Neue Besen kehren gut - Mit Bildergalerie



Am Donnerstag, d. 18.06.2015 war es endlich soweit! Um drei Uhr in der Frühe startete der Hochdeckerbus der Fa. Stewa im Hahnheimer Gemeindehof zur Reise nach Váralja. Trotz langer Vorlaufzeit und viel Werbung hatten sich bedauerlicherweise nur 26 Personen für die Reise angemeldet und so konnten sich diese großzügig auf den 54 Sitzplätzen verteilen. Mit Lisa und Jörg hatten wir ein Super-Fahrerteam. Aus der Küche im hinteren Teil des Busses wurden wir mit kühlen Getränken und kleinen Speisen versorgt. Unser Reiseleiter Roland verteilte von Zeit zu Zeit Süßigkeiten und mit „Váraljawasser“ wurden wir auf die Tage in Ungarn eingestimmt.
Nach einer rekordverdächtigen Fahrzeit von 14 ½ Stunden erreichten wir das Hotel Rittinger in Bonyhád. Nachdem die sechs Hotelschläfer ihr Gepäck dort deponiert hatten ging es weiter nach Váralja, wo wir um 18.00 Uhr vor dem Teleház (Kommunikationshaus) herzlich von unseren Freunden begrüßt wurden. Nach dem obligatorischen Begrüßungsschnaps erwartete uns ein leckeres Abendessen, das wir gemeinsam mit unseren Gastfamilien einnahmen. Schon nach kurzer Zeit war die Stimmung ausgelassen und die Unterhaltungen in vollem Gange. Éva Sziebert und Werner Kalbfuß, die „neuen Besen“ (Bürgermeister) von Váralja und Hahnheim sprachen ein paar Worte zur Begrüßung und Eva erhielt vom Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins, Roland Elter, das traditionelle Partnerschafts-Tshirt. Nach einer erholsamen Nacht und einem üppigen Frühstück waren wir gestärkt für das Programm des nächsten Tages. Zuerst war ein Besuch des Wochenmarktes in Bonyhád angesagt. Hier gab es Obst, Gemüse, Wurst, Käse und Honig in Hülle und Fülle. Auch Kleidung, Schuhe, Werkzeug und viele andere nützliche Dinge waren im Angebot. Nach den Einkäufen ging die Fahrt weiter nach Pécs. Obwohl wir diese schöne Stadt schon einige Male besucht haben, zeigten uns die Freunde aus Váralja, die uns zahlreich begleiteten, etwas ganz Neues. Gemeinsam besichtigten wir die Porzellanmanufaktur Zsolnay. Hinter unscheinbaren Fabrikmauern erschließt sich dem Besucher ein Kleinod mit wunderschönen Gebäuden und Gartenanlagen. 1852 erwarb Miklos Zsolnay die am Stadtrand gelegene Keramikfabrik in der Tontöpfe und keramische Produkte für Gebäude und Wasserleitungsrohre hergestellt wurden. In den Jahren des ersten Weltkrieges kam die Fertigung von Kunst- und Baukeramik zum Erliegen, dafür wurden elektrische Isolierkörper für Kriegszwecke produziert. Nach dem Tod von Zsolnay begannen seine Erben mit der Produktion von Tafelporzellan. Von 1929 bis zum Ende des zweiten Weltkrieges hatte die Firma schwere Krisen zu überstehen und ging 1948 in Staatseigentum über. In den 1950er Jahren wurden Gebrauchsgegenständen, Kunstporzellan, Kacheln und Baukeramik hergestellt. 1963 verlor die Fabrik ihre Selbständigkeit und wurde dem Landesunternehmen für Feinkeramikindustrie unterstellt. Ende 1999 wurde das Unternehmen in drei selbständige Firmen aufgeteilt, von denen jede ihren eigenen Aufgabenbereich hat. Werkstoff- und Energieversorgung, Vermietung von nicht denkmalgeschützten Immobilien, die Produktion von Geschirr und Ziergegenständen sowie die Verwaltung und Renovierung der sich auf dem Fabrikgelände befindlichen Denkmäler und denkmalgeschützten Bauwerke. Eigentümer der Gesellschaften ist heute die staatliche Treuhandanstalt.
Beim späteren Bummel über den Hauptplatz mit südlichem Flair konnten wir noch den Zsolnay-Brunnen bewundern, ein Prachtstück des Jugendstils.
Nach der Rückkehr aus Pécs erwartete uns in Váralja schon das nächste Highlight, eine Weinprobe im Keller von Szabó Láci. Er und seine Kollegen haben einen Hahn in ihrem Wappen untergebracht und einem hundert Jahre alten Keller in der Kossuth Lajos utca Nr. 208/2 neues Leben eingehaucht. Die Verarbeitung, Lagerung, Verkostung und der Verkauf stehen an einem Ort bereit. Außerdem gibt es auch Zimmer zur Beherbergung von Gästen. Vier Weine wurden uns fachmännisch vorgestellt und konnten probiert werden. Von den guten Tropfen fanden sich zwei Kartons im Gepäck unseres Ortsbürgermeisters wieder. Ausgeschenkt wurden sie bei der Hahnheimer „Seniorenweinprobe“ am 26. Juni. Das Abendessen gab es dann in den Gastfamilien. Die Hotelschläfer sowie das Busfahrer-Ehepaar wurden an diesem Abend auch „privat“ verköstigt.
Am Samstag führte uns der Weg wieder nach Bonyhád. Dort stand zuerst die Besichtigung der Synagoge auf dem Programm. Von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde im Jahr 1795 errichtet, war sie eine der ersten Synagogen der Neuzeit. Leider ist das Gebäude heute in einem sehr schlechten baulichen Zustand.
Tamás Güth (Lehrer) zeigte uns anschließend noch „seine Schule“ und zwar das 1806 gegründete Evangelische Gymnasium „Petöfi Sándor“, in welchem die Begabtenförderung eine lange Tradition hat. Es gehört mit seinem Konzept zu einer der wenigen Schulen in Ungarn, die eine 6jährige Gymnasialausbildung anbieten. Üblich sind 8 Jahre Volksschule und 4 Jahre Gymnasium oder Mittelschule. In den naturwissenschaftlichen Fächern hat sich die Schule einen besonders guten Ruf in Ungarn erworben. Während bis zum Schuljahr 1989/90 noch Russisch als erste und wichtigste Fremdsprache galt, erhielten ab 1990/91 Englisch und vor allem Deutsch den Vorrang. Das Gymnasium greift auch solchen Schülern unter die Arme, die aus kleinen Ortschaften weitab von Bonyhád kommen und vielleicht nie die Möglichkeit bekämen, sich weiter zu bilden. Im Jahr 1996 wurde für sie ein modernes Schülerwohnheim eingeweiht. Auf dem großzügigen und sehr gepflegten Außengelände befindet sich eine Sporthalle, ein Sportplatz mit diversen Anlagen für Leichtathletik, sowie ein wunderschöner Japanischer Garten mit Teich und Pavillon. Nach einer kleinen Erfrischungspause mit Getränken und Gebäck brachte uns der Bus direkt auf die Festwiese im Wald, wo schon das Kuglóffesztivál in vollem Gange war. Unsere Freunde bewirteten uns in einem kleinen Festzelt mit Pörkölt („Angeröstetes“). In einem Kessel über offenem Feuer zubereitet, ähnelt es dem deutschen Gulasch. Dazu gab es verschiedene Getränke, zur besseren Verdauung Váraljawasser sowie anschließend noch Kaffee, Kuchen und natürlich den frisch gebackenen, köstlichen Gugelhupf. Im Laufe des Nachmittags hatten wir ausgiebig Gelegenheit, die zahlreichen Verkaufsstände aufzusuchen oder eine halsbrecherische Fahrt mit dem Kettenkarussell oder dem Autoscooter zu wagen. Da die Temperaturen leider nicht sehr sommerlich waren, gab es in diesem Jahr keine Schaumparty für die Kinder. Im großen Festzelt traten Volkstanzgruppen und Chöre auf. Im Verlauf des Programms überreichten wir, die Gemeinde und der Partnerschaftsverein Hahnheim, unser Gastgeschenk. Der Wunsch unserer Freunde war ein Dachgepäckkoffer für den Kleinbus, den die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung mit Hilfe diverser Zuschüsse angeschafft hat. Dieses Fahrzeug kann bei Bedarf von jedem Einwohner Váraljas für ein kleines Entgelt gemietet werden. Als Gegengeschenk nahm unser OB Werner Kalbfuß eine Fünfliterflasche Váraljawasser sowie für jeden Mitfahrer ein schönes Schnapsglas und einen Lutscher in Form eines roten Hahnes in Empfang. In seiner kurzen Ansprache bezeichnete er sich und Bürgermeisterin Éva Sziebert als das „neue Dreamteam der Partnerschaft“ und bekam dafür viel Applaus. Bis in die späten Abendstunden saßen wir mit unseren Freunden zusammen. Im Festzelt spielte mittlerweile eine ungarische Kultband und brachte das zahlreich versammelte Publikum zum Toben. Der Auftritt eines Michael-Jackson-Imitators heizte die Stimmung noch mal an, konnte aber nicht verhindern, dass sich viele aufgrund der kühlen Temperaturen schon vor dem Abschlussfeuerwerk auf den Heimweg machten.
Am Sonntagmorgen war gemeinsames Frühstück angesagt. Im Teleház war ein üppiges Büffet aufgebaut an dem wir uns für die lange Heimreise stärken konnten. Ein kurzer Spaziergang führte uns anschließend noch auf den Friedhof. Am Grab unseres Ehrenmitglieds Stefan Amrein beteten wir mit Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm das Vaterunser und dann hieß es schon: Abschied nehmen. Während das Gepäck und eine Menge Verpflegung im Bus verstaut wurde, war die Verabschiedung in vollem Gange. Es wurde gedrückt und geküsst was das Zeug hielt. Um 11.15 Uhr rollte der Bus los. Nach einer problemlosen und staufreien Fahrt kamen wir am frühen Montagmorgen um 2.00 Uhr wieder wohlbehalten in Hahnheim an. Alle Mitfahrer und auch unsere Busfahrer Lisa und Jörg waren überwältigt von der Gastfreundschaft und der Herzlichkeit unserer Freunde in Váralja. Wer nicht dabei war, hat etwas versäumt!!


Karola Elter